7. Dezember 2012

The Walking Dead - Staffel 3 - Besprechung der ersten Staffelhälfte (Folge 1-8)

Der folgende Text enthält Spoiler zu The Walking Dead, Staffel 2 & Staffel 3, Folge 1-8.

The Walking Dead Staffel 3 hatte von Beginn an mit einer extrem hohen Erwartungshaltung seitens der Zuschauer und Comic-Leser zu kämpfen. Und dies aus allerlei Gründen: Zum einen wegen der doch sehr langatmigen und relativ ereignislosen zweiten Staffel, andererseits aber auch wegen der Ankündigung des Nr.1 Walking Dead Bösewichts The Governor und der wichtigsten Location aus dem Comic - dem Gefängnis. Achja, und wegen der Ankündigung von Badass-Charakter Michonne!

Kann man - besonders nach einer so schwachen zweiten Staffel - solch hohen Ansprüchen gerecht werden? Offenbar schon, zumindest bist jetzt.


The Walking Dead Staffel 3 ist bis jetzt die mit Abstand beste Staffel der Serie. Doch es gibt auch ein paar Dinge die mich darin stören. Im Folgenden möchte ich kurz die guten sowie die schlechten Sachen hervorheben und anschließend auf meine Hoffnungen für die weitere Entwicklung der Staffel/Serie eingehen.

Das Gute der dritten Staffel

Erzählgeschwindigkeit
Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Art und Weise wie man das Pacing angezogen hat. Die Serie legt nach wie vor Wert auf die Entwicklung der Charaktere, schafft es die dafür notwendigen Dialoge aber besser und schneller auf den Punkt zu bringen. Das hat den Vorteil dass die eigentliche Handlung - abseits der Charaktergeschichten - schneller vorranschreitet. Als ich die zweite Staffel zu Ende geschaut hatte, war meine größte Befürchtung dass Staffel 3 von Anfang bis Ende nur von dem Einzug in das Gefängnis handelt. Dem war glücklicherweise nicht so, dieser Prozess dauerte nur zirka 3 Episoden.

Charakterentwicklung
Auch super finde ich die Charakterdarstellung und die Darstellung wie sich die Figuren langsam von ihren alten Ichs entfremden. Dieser Prozess verläuft in der Serie in meinen Augen sogar noch deutlich besser als im Comic. Einen Großteil dieser Entwicklungsenergie zieht die Serie aus dem Zeitsprung zwischen Staffel 2 und 3: Die Charaktere haben sich an die Brutalität und notwendige Gewalt der "neuen Welt" gewöhnt, viele moralische Debatten verlaufen nur noch über kurze Blickkontakte. Dies wird besonders beim Zwischenspiel zwischen Rick und seinem Sohn Carl deutlich. Im Comic erschien mir z.B. die Entwicklung von Rick zu sprunghaft, z.B. sein radikales Wechseln zwischen brutalen Handlungen und moralischen Bedenken und Ängsten. Die Serie schafft es verschiedene Konfliktsituationen (z.B. mit den Gefangenen die im Gefängnis gefunden werden) besser in den Handlungsverlauf und die Entwicklungen der Charaktere einzuflechten, wodurch man als Zuschauer stärker in die "Was würde ich tun?"-Fragestellung gezogen wird. Dadurch wirkt vieles glaubhafter und spannender, zumal wir als Zuschauer durch die vielen Zombie-Filme und -Spielen schon von Anfang an mehr von dieser "Welt" wussten, als die Charaktere in den ersten zwei Staffeln - jetzt sind wir bei den Problematiken mit den Charakteren auf Augenhöhe - einfach super.

Darstellung der Zombiewelt / neuen Weltordnung
Ebenfalls fantastisch inszeniert ist die Grausamkeit der "neuen" Welt. Während wir in Staffel 1 und 2 - bis auf die klimatischen Aufhänger wie (Mid-)Season-Finale - weitestgehend darauf vertrauen konnten, dass unsere Helden irgendwie überleben, zeigt uns Staffel 3 ein völlig anderes Bild: Jeder könnte jederzeit sterben, sei es durch Zombies, Banditen oder schlimmeres. Der Tod lauert überall. Besonders die ersten 8 Folgen haben mit Loris und T-Dogs Tod, Hershells Beinamputation und der Unberechenbarkeit des Governors ein paar echte Schocks gebracht. Doch diese Vorgehensweise hat auch ein paar Schattenseiten, was direkt zum negativen führt.

Das Schlechte der dritten Staffel

Sterberate der Charaktere
Die zuvor beschriebene Gefahr und Tödlichkeit der Zombie-Welt die in der dritten Staffel gezeigt wird, führt gleichzeitig auch zu einer Art Abstumpfung beim Zuschauer. Während in Staffel 2 der Tod von Figuren wie Sophia oder Dale noch etwas aufrüttelndes hatte, so werden wir als Zuschauer in Staffel 3 durch die vielen Charaktertode desensibilisiert. Dadurch das jeder jederzeit sterben könnte, binden wir uns nicht mehr wirklich an die Figuren. Ich musste dies nach der Folge in der T-Dog und Lori starben bei mir feststellen: Mir war es plötzlich gar nicht mehr so wichtig ob Claudia wiedergefunden wird. Auch der Tod des schwarzen Gefangenen im Mid-Season-Finale ging an mir relativ eindruckslos vorüber (Name ist mir leider entfallen - da seht ihr's!), ebenso die finale Auseinandersetzung zwischen Merle und Daryl. Deshalb hoffe ich, dass in den kommenden Folgen wieder mehr Szenen eingestreut werden in denen wir mit den Charakteren mitfiebern und sie nicht nur pausenlos wegsterben sehen.

Ricks Wahnsinn
Während ich die Charakterentwicklung grundsätzlich in Staffel 3 lobe, so missfällt mir ein bestimmter Aspekt ganz extrem: Der zunehmende Wahnsinn dem Rick verfällt. Damit meine ich sowohl die Killing-Spree nach Loris Tod, als auch das defekte Telefon, als auch die Halluzination mit Shane in Folge 8. Das Ganze passiert zu schnell und wirkt unglaubwürdig. Der Comic nimmt sich z.B. mit den Telefon-Halluzinationen viel Zeit und setzt diese Angelegenheit in Anschluss an ein viel stärkeres Trauma als in der Serie (ich vermeide hier Comic-Spoiler). Wenn Rick in der Serie einen Nachmittag Zombies schlachtet, dann glaube ich nicht daran dass er (als einziger der Gruppe) extreme Halluzinationen bekommt. In den Comics ist er zu diesem Zeitpunkt durch deutlich schlimmere Szenarien gekommen, weswegen es dort mehr Sinn ergibt. In der Serie ist das einfach zu verfrüht und hätte sich bis Staffel 4 aufgehoben werden sollen.

Michonne
Was mir bisher auch nicht gefällt ist Michonne. Sie ist mir in der Serie zu "vorsichtig", zu unkooperativ und allgemein bisher mehr nervig als cool. Während ich sie im Comic als ein antreibendes Glied der Gruppe wahrgenommen habe, wirkt sie in der Serie auf mich mehr wie ein bockiges Psycho-Kind, das nicht so richtig weiß was es will. Ich kann mir vorstellen dass man damit auf ihre psychische Erkrankung hinleiten will die wir aus den Comics kennen, aber bisher wirkt die Umsetzung dessen ziemlich unbeholfen. Das spiegelt sich zum Beispiel im Midseason-Finale wieder, wenn sie in der Wohnung vom Governor wartet um diesen zu ermorden. Warum will sie das? Im Comic hat sie einen recht triftigen Grund: sie wurde dort mehrfach von ihm vergewaltigt. In der Serie hat er selbst ihr nichts getan - am ehesten sollte sie einen Groll gegen Merle haben, der ihr mehrfach ans Leder wollte.

Der Governor
Das führt zum letzten Kritikpunkt: der Governor. Grundsätzlich mag ich die Art wie sich der Serien-Governor vom Comic-Governor unterscheidet. Er ist charismatischer, insgesamt freundlicher und vertrauenserweckender, was ihn zu einem etwas vielschichtigerem Charakter macht. Doch das hat - zumindest bisher bei mir - die Folge, dass man ihm seine dunkle und böse Seite nicht so richtig abnimmt. Vielleicht liegt es an den Kompromissen die die Serie gegenüber seiner sexuellen Übergriffe gemacht hat, aber alleine die Beziehung die er mit Andrea aufbaut macht ihn per se schon greifbarer und menschlicher als er im Comic war, was der Gefahr die er eigentlich ausstrahlen sollte bisher aber nicht gut tut. Die letzten Szenen der 8. Folge machen ein paar Andeutungen darauf, dass er seine dunkle und unberechenbare Seite jetzt stärker ausleben wird, insofern bleibe ich gespannt.


Insgesamt bin ich bisher mit der 3. Staffel aber mehr als zufrieden. Insgesamt hoffe ich dass von nun an das Wegsterben der Charaktere etwas gedrosselt bzw. dramatischer dargestellt wird, Michonne glaubhafter wird und der Governor sich mehr zu dem entwickelt was er im Comic ist. Und ich hoffe wirklich, dass sich der Governor-Part noch bis in die 4. Staffel hält. So sehr ich den schnelleren Erzählstil befürworte, so schade fände ich es aber auch die Geschichte rund um das Gefängnis und Woodbury in einer einzigen 16-Episoden Staffel abgefrühstückt wird, zumal es zu den besten Geschichten in The Walking Dead zählt.

Im Februar geht es mit der 3. Staffel The Walking Dead weiter. Wer nicht so lange warten kann, der sollte unbedingt einen Blick in die Comicbücher werfen oder noch einmal Staffel 1 und 2 (zähnknirschend) anschauen:


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