26. November 2012

Mass Effect 4: Wie schlachtet man eine Marke aus, wenn nur noch Knochen übrig sind?

Mass Effect 4: Wie schlachtet man eine Marke aus, wenn nur noch Knochen übrig sind? Bei Bioware versucht man es im Zweifel wohl mit Eintopf und viel Gewürzen.

Die News-Seiten überschlagen sich in den letzten Tagen und Wochen mit Meldungen zu Bioware und der Entwicklung von Mass Effect 4. So werden die Fans der Mass Effect-Spiele regelmäßig von Producer Casey Hudson nach deren Wünschen für ein neues Mass Effect gefragt, jüngst beispielsweise ob die Fans ein Prequel oder ein Sequel zu der bestehenden Triliogie sehen möchten.

Es ist relativ offensichtlich, dass Bioware durch die vernichtenden Reaktionen ihrer Community bei Dragon Age II und Mass Effect 3 bis ins Mark verunsichert ist, insbesondere nachdem die Mitgründer Ray Muzyka und Greg Zeschuk jüngst das Unternehmen verlassen haben. Hinzu kommt die Tatsache, dass (mitunter durch das Ende von Mass Effect 3) die Geschichte kaum sinnvoll weitererzählt werden kann, ohne (erneut) in die Space Magic-Kiste zu greifen.

Was mich daran besonders stört ist, dass man schon wieder versucht eine abgeschlossene Geschichte auf Teufel komm raus weiterzuerzählen, nur um noch mehr Profit aus der Marke zu erwirtschaften. Zu einem gewissen Grad ist das ja auch verständlich, aber es gibt Momente in denen der kreative Geist in meinen Augen dem wirtschaftlichen Interesse überwiegt. Und dazu gehört es zum Beispiel, dass Geschichten manchmal einfach erzählt oder abgeschlossen sind.

Oder glaubt hier irgendwer ernsthaft, dass Star Wars 7, 8 oder 9 gute Filme werden?

Insbesondere das "Nachfragen" bei Fans ist dabei ein ganz gefährliches Mittel. Einerseits macht man es um den Brainstorming-Prozess mit direktem Zielgruppenfeedback in den Social Web-Bereich out-zu-sourcen, andererseits aber auch als Absicherung vor einem eventuellem Shitstorm wie wir ihn bei Mass Effect 3 erlebt haben.

Aber was ist Fan-Feedback eigentlich wert?

Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass Fans - egal wie gaming- oder technikaffin sie sind - keine adäquate Vorstellung davon haben, was umsetzbar ist. Sei es die technische Umsetzung, die finanzielle (Stichwort Teamgröße und Entwicklungszeit) oder gar die kreative - denn im Nacken haben Entwickler wie BioWare immernoch selbsternannte Genies wie Frank Gibbeau, die eine genaue Vorstellung davon haben welche Fans mit ihren Wünschen Recht haben. Fans die einen Multiplayer-Modus in Mass Effect oder Dead Space idiotisch finden, haben dabei z.B. per se keine Ahnung davon wie die Branche funktioniert und sich weiterentwickeln muss.
Aber auch abseits dessen ist das Verarbeiten von Fan-Feedback gefährlich.
Resident Evil 6 hat uns gezeigt was passiert wenn ein Entwickler es all seinen Spielern Recht machen möchte - eine Suppe die nicht so richtig weiß ob sie Kartoffel-, Kokus- oder Kürbissuppe ist. Stattdessen ist sie alles - und damit ziemlich eklig.

Als ich die Newsmeldung las, musste ich unfreiwillig an die Simpsons-Episode denken in der Homer als Durchschnittsamerikaner sein Traumauto entwerfen soll.

Darf ich vorstellen, das wird Mass Effect 4:


Das A und O eines guten kreativen Produkts, ganz gleich ob es ein Film, ein Videospiel, ein Song oder ein Text ist, ist eine Vision bzw. ein kreativer Antrieb der dahinter steht. Nicht umsonst bedeutete in der Vergangenheit der Wegfall von Game Designern oft den Qualitätsabfall von Spielemarken (man denke alleine an das Metal Gear Rising: Revengeance Debakel ohne Hideo Kojima oder das langsame Sterben von Resident Evil seit dem Weggehen von Shinji Mikami).
Und Mass Effect hat das selbe mit Drew Karpyshyn erlebt, der den fantastischen ersten Teil geschrieben hatte und anschließend nach und nach von BioWare aus dem Mass Effect-Universum ausgeschlossen wurde.

Und solange BioWare niemanden findet der eine klare, deutliche und kreativ passende Vision für die Zukunft der Marke hat, dann können sie noch so viele Community-Befragungen und Marktforschungen durchführen - am Ende kommt vielleicht ein hübsches Spiel mit flottem Kampfsystem, aber ohne jede Seele heraus.

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